Vorarlberger Landesbibliothek
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Kann denn Liebe Sünde sein? Die Sieben Todsünden und die Lust an der Grenzüberschreitung

Podiumsdiskussion mit Impulsvortrag und Kurzlesungen

Datum

25.11.2025 Dienstag
25. November 2025,
19:30 Uhr

Ort

Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek, Bregenz

Eintritt: 15 € (ermäßigt 12 €)
Tickets

Veranstalter

Dr.in Monika Künzel in Zusammenarbeit mit der Vorarlberger Landesbibliothek

Bild: KI-generiert mit ChatGPT (5)

Bild: KI-generiert mit ChatGPT (5)

Mit
Stephanie Gräve (Intendantin am Vorarlberger Landestheater)
Ulrich Khuon (interimistischer Intendant am Schauspielhaus Zürich)
Nico Raschner (Kurzlesungen)
Gunter Gebauer (Moderation und Impulsvortrag)

Vor den Todsünden hat man sich viele Jahre gefürchtet. Doch der Reiz des Verbotenen ist ungebrochen. Sind die Todsünden nicht die dunkle Rückseite jener Handlungen, die wir gewöhnlich für große Taten halten? Fasziniert und angewidert zugleich verfolgen wir täglich, wie sich im Spiel um Macht und Geld Gewinn und Verderben gefährlich nahekommen.

Das Theater ist seit Jahrhunderten DIE Bühne für die Dramen des Lebens. Wo kann man all sein Begehren, seine Rachegelüste, seinen Hochmut, seine Gier besser spiegeln als hier? Nicht selten bis zum vernichtenden, ja tödlichen Ende gefährlicher Liebschaften. Wie bei Shakespeare, Moliere, Schnitzler oder Dürrenmatt, bei Jelinek oder Loher.


Auch, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind: Wir spüren, dass in jeder der sieben Todsünden etwas von dem enthalten oder versteckt ist, was unser Menschsein ausmacht. Ihr positiv gewendeter Kern könnte bestehen in Neugier statt Habgier, in Selbstbewusstsein statt Hochmut, in Sparsamkeit statt Geiz, in Genussfähigkeit statt Wollust, in Ich-Stärke statt Neid. Und Zorn kann ein Zeichen von Stärke sein, von Klarheit, wenn Entscheidungen anstehen. Aber auch hier stellt sich dien Frage nach dem Maß. Herman Melvilles Erzählung über den Wallstreet-Angestellten Bartlebys ist zu einer Parabel für Rebellion und Resignation im 21. Jahrhundert geworden: „I would prefer not to. Ich möchte lieber nicht.“

Was aber ist das richtige Maß? Ist der Mensch stark oder schwach? Fest steht: Der Mensch ist endlich. Ist es dann nicht verständlich, dass er sich in seinem begrenzten irdischen Dasein auch nach einer Steigerung seiner selbst, nach Rausch und Erfüllung sehnt und die Lust an der Grenzüberschreitung alle Vernunft beiseite fegt? Unsere Empfindungen sind nicht maßvoll. Unsere Lust am Verbotenen ist es auch nicht. Sind das nun Sünden oder stecken darin Potentiale? Kann man maßvoll lieben? Wer bestimmt das Maß?  Wo beginnt das Verhängnis? Das sind Fragen über Licht und Schatten des Menschseins, geheimnisvoll, zeitlos und höchst aktuell.

Stephanie Gräve wurde 1968 in Duisburg geboren; nach einem Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie begann sie 1995 als Dramaturgin am Theater Oberhausen. 1999 wechselte sie ans Schlosstheater Moers, das sie gemeinsam mit Johannes Lepper bis 2003 leitete. Im Anschluss ging sie ans Theater Bonn, zunächst als Dramaturgin, später als Chefdramaturgin des Schauspiels. Als stellvertretende künstlerische Direktorin und Kuratorin für spartenübergreifende und internationale Projekte arbeitete sie von 2012 bis 2015 am Theater Basel, in der Spielzeit 2015/16 als Schauspieldirektorin in Bern. Stephanie Gräve war als Lehrbeauftragte an Universitäten, in verschiedenen Jurys und im Vorstand des Internationalen Theaterinstituts und von art but fair tätig; seit 2018 ist sie Intendantin am Vorarlberger Landestheater.

Ulrich Khuon studierte Rechtswissenschaft, Theologie und Germanistik. 1980 wurde er Chefdramaturg am Theater Konstanz, ehe er von 1988 bis 1993 die Intendanz des Hauses übernahm. Im Anschluss war er von 1993 bis 2000 Intendant am Schauspielhaus Hannover und übernahm zur Spielzeit 2000/2001 die Leitung des Hamburger Thalia Theaters, dessen Intendant er bis 2009 blieb. 1997 wurde er zum Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hannover ernannt. Von 2009-2023 war Ulrich Khuon Intendant des Deutschen Theaters Berlin. Von 2017 bis 2021 war er zudem Präsident des Deutschen Bühnenvereins. Im Frühjahr 2020 wurde Ulrich Khuon für sein Eintreten für eine demokratische Debattenkultur, für Geschlechtergerechtigkeit und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Künstler:innen mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Ulrich Khuon ist Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und der Akademie der Künste Berlin. Für die Spielzeit 2024/25 übernahm die Intendanz am Schauspielhaus Zürich.

Nico Raschner, 1996 in Dornbirn geboren, war bereits früh am Vorarlberger Landestheater engagiert. Von 2007 bis 2013 war Raschner Mitglied in den Theaterclubs des Hauses. Seine erste Nebenrolle spielte er in der Produktion RICHARD III im Jahr 2009. Von 2012 bis 2014 war er Mitglied im interkulturellen Schauspielverein MOTIF in Bregenz. Zusätzlich zu seinen schauspielerischen Ambitionen schreibt Raschner Kurzgeschichten, die bereits in diversen Zeitungen veröffentlicht wurden, und produziert Hörspiele. 2015 startete er seine Ausbildung am Schauspielhaus Salzburg, die er 2018 abschloss. Seit der zweiten Hälfte der Spielzeit 2018/2019 ist Nico Raschner Ensemblemitglied am Vorarlberger Landestheater.

Gunter Gebauer, geboren 1944, studierte nach seinem Abitur 1963 Philosophie, Literaturwissenschaft, Linguistik und Sportwissenschaft. Nach seiner Promotion an der TU Berlin und seiner Habilitation für das Fach Philosophie an der TH Karlsruhe folgte Gebauer 1978 einem Ruf an die FU Berlin als Professor für Philosophie und Soziologie des Sports. 1995 wechselte er an das Institut für Philosophie der FU Berlin. Unter seiner Mitwirkung entstanden der Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ (1999 bis 2010) und das Exzellenzcluster „Languages of Emotion“, dem er bis zu seiner Emeritierung (2012) angehörte. Seine  Lehr- und Forschungstätigkeit an der FU setzt er bis heute fort.