Vorarlberger Landesbibliothek
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Land und Sprache. Literarischer Dialekt zwischen Arbeit und Avantgarde

Internationale Tagung
Lesungen, Vorträge, Gespräche

Datum

19.03. -
20.03.2026

Ort

Vorarlberger Landesarchiv, Vortragssaal

Eintritt frei!

Veranstalter

Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek und Freie Universität Berlin

Anknüpfend an die letztjährige Tagung des Felder-Archivs zu Land und Form widmet sich die Tagung literarischen Erscheinungsformen von Dialekt im Überschneidungs- und Spannungsfeld von Arbeit und Avantgarde. Literarischer Dialekt kann als ästhetische Form betrachtet werden, die – real und imaginär – auf eine bestimmte Region mit ihrer Geschichte und Topographie, ihren Kulturpraktiken und Literaturgeschichten bezogen ist. Seit ihrer Entstehung und im ländlichen Raum bis heute sind Dialekte Kommunikationsformen geteilter (Land-)Arbeit. 
Als solche tauchen Dialekte etwa in Landleben- oder Bauernromanen, aber auch in der Lyrik auf. Dabei und darüber hinaus wird der literarische Dialekt in den Dienst einer poetischen, teils avantgardistischen Spracharbeit genommen, die, wie etwa im Fall der Wiener Gruppe, fast ausschließlich ästhetischen Zwecken dienen kann.

Einen literarischen Orientierungspunkt für die Tagung bilden Johann Peter Hebels Allemannische Gedichte (1803), die den alemannischen Dialekt – in der Form einer ausgefeilten literarischen Kunstsprache – ins Zentrum ihrer Poetik stellen.
Neben dezidiert dialektaler Literatur wird der, mit Joachim Kalka, “halb geheimen Präsenz des Dialekts” in der so genannten Hochliteratur nachgegangen. Zu im engeren Sinn literarischen Texten und Bühnentexten treten Beispiele aus der (Pop-)Musik, oder auch aus dem Film und der Bildenden Kunst. Dabei interessieren ausschließlich künstlerische Arbeiten, in denen der Dialekt mehr ist als eine Strategie, um Lokalkolorit, eine ländliche Atmosphäre oder gar Phantasmen von Urwüchsigkeit heraufzubeschwören.
Ziel der Tagung ist es, künstlerische Dimensionen des Dialektgebrauchs zu beleuchten und von ihnen her auf mögliche sozialgeschichtliche, politische und epistemologische Fragen zu blicken. Somit ist auch nach einem (Erfahrungs-)Wissen literarischer Dialekte gefragt.
 

Tagungsprogramm

 

19. März 2026

Vortragssaal Vorarlberger Landesarchiv

 

9:15 Uhr
Sandra Fluhrer, Jürgen Thaler
Land und Sprache. Eröffnung & Einleitung

9:30 – 10:15 Uhr
Sandra Fluhrer
Wie arbeitet Dialekt? Zur Einführung

10:15 – 11:00 Uhr 
Martin Stingelin
Mani Matters Dialekt(ik) der Arbeit

Pause

11:30 – 12:15 Uhr
Hubert Thüring
“Dihr chönnet de die Barcha mit dena Lütt sälb’r zeichna”. Sprach- und Arbeitsteilung bei Adolf Wölfli

Mittagspause

14:00 – 14:45 Uhr
Heide Helwig
Von der Bauernstubensprache zur “Celebrität”.  Johann Peter Hebels Allemannische Gedichte im Spiegel der Autorkommentare und der zeitgenössischen Rezensionen

14:45 – 15:15 Uhr
Claudia Scherer im Gespräch mit Sandra Fluhrer

Pause

15:45 – 16:30 Uhr
Katharina Mevissen
Kleine Lautverschiebungen: Pumuckl und Fizzibitz – Dialektklang und Geräusch im Kinderhörspiel der Sechziger Jahre

16:30 – 17:15 Uhr
Stephanie Heimgartner, Kerstin Kucharczik
Prestige und Stigma. Sprache und Literatur im Ruhrgebiet

20. März 2026

Vortragssaal Vorarlberger Landesarchiv

 

9:00 – 9:45 Uhr
Jürgen Thaler
Wie und warum entsteht eigentlich Dialektliteratur?

9:45 – 10:30 Uhr
Gerhard Fuchs: “Da Sta spricht”. Dialekt, Regionalität und NS-Vergangenheit bei Natascha Gangl

Pause

11:00 – 11:30 Uhr
Norbert Mayer im Gespräch mit Jürgen Thaler

11:30 – 12:15 Uhr
Ingrid Fürhapter: Von der “gefährlichen Mitte zwischen Schriftdeutsch und Mundart”?  Kaspar Hagen und Inge Dapunt als Fallbeispiele für ‘Verdialektung’ hochsprachlicher Inhalte

12:15 Uhr
Schlussdiskussion