Bibliothek gestern

1904 beschloss der damalige Vorarlberger Landesausschuss die Gründung einer Landesbibliothek, die lange eine „Hilfsbibliothek“ des Landesarchivs blieb und sich auf das Sammeln landeskundlicher und historischer Werke beschränkte.

Dass sich dennoch eine beachtliche Sammlung historischen Buchgutes im Besitz des Landes Vorarlberg befindet, ist dem seit 1857 bestehenden Vorarlberger Landesmuseumsverein sowie eben dem Vorarlberger Landesarchiv zu verdanken. Dort war bis 1975 eine Sammlung mit 50.000 Bänden entstanden, unter denen sich 30 Inkunabeln sowie zahlreiche alte Vorarlberger Drucke sowie rund 100 Bände aus der ehemaligen Schlossbibliothek in Hohenems befanden.

Vorarlberger Landesarchiv

Vorarlberger Landesarchiv

Vor allem das Bewusstsein, dass Vorarlberg eine selbständige Bibliothek benötigt, um Ausbildung, Forschung und Weiterbildung der Bevölkerung unterstützen zu können, führte 1977 zur Neugründung der Vorarlberger Landesbibliothek. Der landeskundlichen Sammlung des Landesarchivs wurde eine breit gefächerte Studienbibliothek hinzugefügt, die vor allem Menschen in Ausbildung aber auch die gesamte interessierte Öffentlichkeit bedienen sollte. Besonders die Tatsache, dass es in Vorarlberg keine Universität gibt, trug zu dieser Entscheidung bei.

Landesarchiv und Landesbibliothek bildeten in den folgenden Jahren eine räumliche Einheit und waren zusammen im „Alten Landhaus“ in der Bregenzer Kirchstraße untergebracht. Bereits nach wenigen Jahren hatte die Bibliothek ihre Bestände auf das Sechsfache erweitert, und ein zweckmäßiger Betrieb war in dem viel zu kleinen Gebäude nicht mehr möglich.

Dr. Eberhard Tiefenthaler

Dr. Eberhard Tiefenthaler

Dem unermüdlichen Einsatz von Direktor Dr. Eberhard Tiefenthaler ist es zu verdanken, dass die Bibliothek nach mehrjährigem Umbau 1985 das ehemalige Benediktinerstift St. Gallus beziehen konnte. Die alten Zettelkataloge gehörten schon damals der Vergangenheit an, da bereits 1979 auf einen voll integrierten elektronischen Katalog umgestellt wurde.

Am 27. Juni 1986 wurde die Vorarlberger Landesbibliothek am neuen Standort von Landeshauptmann Dr. Herbert Kessler feierlich eröffnet.
Die neue Bibliothek brach mit vielen Traditionen und gehörte damals hinsichtlich ihres Raumkonzepts und der technischen Hilfsmittel zu den innovativsten Bibliotheken in Österreich. So wurde das Prinzip der Freihandaufstellung konsequent angewendet, was die Zugänglichkeit der Information und damit die Kundenfreundlichkeit erheblich steigerte.

1993 konnte der Kuppelsaal, die ehemalige Stiftskirche, feierlich seiner neuen Bestimmung als Bibliotheksraum übergeben werden. Seither steht ein repräsentativer Saal zur Verfügung, der bis heute in vielfältiger Weise für Veranstaltungen aller Art genutzt wird. Durch hunderte Lesungen, Vorträge oder Ausstellungen hat sich die Landesbibliothek seither auch als Kulturveranstalter und Kulturvermittler etabliert.

Bibliothek heute

Die Landesbibliothek erfüllt seit ihrer Gründung folgende Aufgaben:

Sie ist wissenschaftliche Studienbibliothek, sie betreibt eine landeskundliche Sammlung zur Bewahrung und Vermittlung des kulturellen Erbes Vorarlbergs, und sie ist Kommunikationszentrum, das Schulungen, Führungen und kulturelle Veranstaltungen anbietet.

 

Hybride Bibliothek

Die Vorarlberger Landesbibliothek steht heute vor der Aufgabe, sowohl digitale als auch traditionelle Medien effektiv zu vermitteln und teilweise auch langfristig zu speichern. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurden in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen gesetzt:

 

1998: die heute weitverbreitete Bibliothekssoftware Aleph findet in Österreich erstmals in Bregenz Verwendung.
2004: digitale Inhaltsverzeichnisse werden in den Katalog eingebunden.
2006: die E-book-Sammlung, die seither jedes Jahr um tausende Publikationen erweitert wurde, wird begonnen.
2012: eine neue Suchmaschine sowie eine verbesserte Homepage erleichtern den Zugang zu Informationen.

 

Digitalisierung

Zur Schonung der Originale, zur Bestandssicherung sowie zur besseren Verfügbarkeit werden landeskundliche Materialien digitalisiert:

2005: zahlreiche Vorarlberger Zeitungen werden in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Nationalbibliothek digitalisiert und über das Portal ANNO (Austrian Newspapers Online) zugänglich gemacht.

2009/2010: die Bestände des Radio- und Fernseharchivs werden digitalisiert.

2010/11: es folgt die Digitalisierung der Tonträgersammlung.

2010-2012: mit finanzieller Unterstützung der EU (Interreg IV Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein) werden gemeinsam mit anderen Bibliotheken rund um den Bodensee Kernzeitschriften zur Geschichte und Landeskunde der Region digitalisiert.

 

Schulungszentrum

Die Vorarlberger Landesbibliothek nimmt ihren Auftrag Informationskompetenz zu vermitteln wahr, indem pro Jahr zahlreiche Schulklassen und andere interessierte Gruppen in die Nutzung der  verschiedensten Informationsquellen eingeführt werden. Neue Schulungen ersetzen die traditionellen Führungen und führen die Lernenden effektiver an die gesuchten Informationsquellen.

Bibliothek morgen

Die Vorarlberger Landesbibliothek steht in einer zunehmend von digitalen Informationen bestimmten Bibliothekswelt vor vielfältigen Herausforderungen, die sich in acht allgemeinen Trends zusammen fassen lassen:

  • Hybride Bibliothek: Die Bibliothek sichert, strukturiert und vermittelt analoge wie digitale Informationen
  • Die Bibliothek generiert digitales Wissen (z.B. Digitalisierung von Vorarlberger Zeitungen)
  • Die Bibliothek lehrt den Umgang mit Information: Teaching Library (z.B. Schulungen und Führungen für Schüler, Vorbereitung auf Fachbereichsarbeiten)
  • Die Bibliothek ist ein Ort der Begegnung und des Lernens
  • Die Bibliothek bewahrt das kulturelle Erbe und macht es leichter zugänglich
  • Die Bibliothek nimmt an überregionalen kooperativen Wissensnetzwerken teil
  • Die Bibliothek reagiert auf den erhöhten Mobilitätsanspruch der Benutzer (Smartphones, Tablets, …) und die zunehmende Bedeutung von social networks (Facebook, twitter, …)
  • 24 x 7 Bibliothek (rund um die Uhr geöffnet)


Vielfältige Maßnahmen (z.B. Zubau, Investitionen in die IT-Infrastruktur, zusätzliches Personal) werden notwendig sein, um den geänderten Anforderungen gerecht zu werden.

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