Weltliteratur – neu übersetzt - Burkhart Kroeber (München): „Opuscula moralia. Oder vom Lernen, über unsere Leiden zu lachen” (Berlin: Die Andere Bibliothek 2017) Veranstalter: Franz-Michael-Felder-Archiv

Einführung und Moderation: Dr. Ulrike Längle

Datum

14.05.2018 Montag
14. Mai 2018,
20:00 Uhr

Ort

Foyer des Vorarlberger Landestheaters

6900 Bregenz
Eintritt frei!

Veranstalter

Franz-Michael-Felder-Archiv

Leopardis „Operette morali” gelten in Italien seit ihrem ersten Erscheinen 1827 als Musterbeispiel einer satirisch-philosophischen Prosakunst mit poetischer Grundierung: originelle Fabeln, Szenen über das Schicksal des Menschengeschlechts in seinen „Irrungen und Wirrungen” - eine erzählende Philosophie, die Nietzsches „Also sprach Zarathustra” vergleichbar ist: anregende, von Geist und Witz nur so sprühende und melancholisch-heitere, meist dialogische Stücke in einer leichten und melodischen Prosa. Den Titel „Operette morali” (wörtlich: „Moralische Werkchen”) hat der Übersetzer latinisiert, da Leopardi an Plutarchs „Moralia” gedacht hat, Kroeber auch an Adornos „Minima Moralia”.

Leopardis schwache Konstitution stand in einem verblüffenden Gegensatz zu seiner intellektuellen Schärfe und seiner literarischen Sprengkraft. Seine Gedichte gelten heute als Höhepunkte der italienischen Lyrik. […] Aber Leopardi war nicht nur Dichter, er entwarf mit einer Mischung aus sarkastischer Leichtigkeit, Ironie und Wagemut eine Philosophie, die inmitten der Restauration nach dem Wiener Kongress neue Denkfiguren prägte […] Wie zukunftsweisend sein Ansatz war, erkannte man in Italien erst nach seinem Tod.[…] Die Quintessenz seiner brillant und witzig formulierten Erkenntnisse steckt in den erstmals 1827 erschienenen „Kleinen moralischen  Werken”, den „Operette morali”, die jetzt in einer vorzüglich kommentierten Auswahl unter dem Titel „Opuscula Moralia” in der Anderen Bibliothek vorliegen. Der Herausgeber und Übersetzer Burkhart Kroeber, der auf der Grundlage der Erstübersetzung Theodor Heyses von 1878 eine geschliffene Neufassung besorgt hat, bietet eine ebenso elegante wie packende Zusammenstellung der philosophischen Possen dieses ungewöhnlichen Gelehrten aus Mittelitalien. Maike Albath in der Süddeutschen Zeitung vom 3. August 2017.

Giacomo Leopardi (1798-1837), italienischer Dichter, Philosoph, Essayist und Philologe, gilt als einer der radikalsten Denker des 19. Jahrhunderts.
 

Foto: privat

Foto: privat


Burkhart Kroeber, vielfach preisgekrönt und mit seinen Übersetzungen vor allem von Umberto Eco, Italo Calvino und Alessandro Manzoni bekannt geworden, hat seine neue Übersetzung mit ausführlichen Anmerkungen und einem Nachwort versehen. Ergänzt wird diese Neuübertragung durch einen Essay von Paul Heyse über Leopardis Weltanschauung.

Bilder und Nachlese


Der im deutschen Sprachraum ziemlich unbekannte Giacomo Leopardi lockte am Montagabend bei Starkregen immerhin eine Gruppe von 25 handverlesenen Italophilen ins Theaterfoyer, darunter die beiden Autoren Wolfgang Hermann und Kurt Bracharz. Bis kurz vor 22h ließen sie sich von dem ebenso kundigen wie gekonnt vorlesenden Burkhart Kroeber, dem Altmeister der deutschen Übersetzer, in Leopardis Leben und Werk einführen und Interessantes über die Hintergründe seiner tiefgründigen und unterhaltsamen kleinen moralischen Abhandlungen erzählen: dem heiteren „Lob der Vögel” und dem unglaublich witzigen Kurzdrama „Kopernikus. Ein Dramolett”, wo es um die Ablösung des ptolemäischen durch das kopernikanische Weltbild geht. Im Gespräch erfuhr man, dass Kroeber selbst die Initiative für diese Übersetzung ergriffen hat und dass er gerade eine Neuübersetzung des „Gattopardo” von Lampedusa fertigstellte. Für Ulrike Längle war es die letzte Veranstaltung der Reihe „Weltliteratur – neu übersetzt”, die sie 2002 mit Matthias Jendis’ neuem „Moby Dick” gestartet hatte und bei der inzwischen fast alle namhaften deutschsprachigen Übersetzerinnen und Übersetzer aufgetreten sind; ein Zuhörer sprach seinen Dank dafür aus. Mit Leopardis skurrilem „Dialog zwischen Friedrich Ruysch und seinen Mumien” wurde das Publikum in die Nacht entlassen, nach diesem Abend mit wetterfestem philosophischem Rüstzeug versehen und von der Kraft der Dichtung und des Lachens überzeugt.

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