VLB BLOG - Unruhe bewahren

Über Bücher, Bibliotheken, Gott und die Welt

 

Empörungsmanagement

14. Februar 2019 von Wolfgang Köhle

Warum schweigen die Lämmer? erläutert, ob die Demokratie wirklich immer mehr ausgehöhlt wird und durch die Illusion von Demokratie ersetzt wird, ob Wahlen für grundlegende politische Fragen wirklich keine Rolle mehr spielen, weil die wichtigen politischen Entscheidungen von politisch-ökonomischen Gruppierungen getroffen werden, die weder demokratisch legitimiert noch demokratisch rechenschaftspflichtig sind.

„Besonders die sogenannten gebildeten Schichten sind anfällig für die Illusion des Informiertseins. Diese Schichten sind aus naheliegenden Gründen in besonderem Grade durch die jeweils herrschende Ideologie indoktriniert – das war im Nationalsozialismus nicht anders als heute; sie sind durch ihre schweigende Duldung ein wichtiges Stabilisierungselement der jeweils herrschenden Ideologie.”

Frankfurt am Main Westend [2018]

Frankfurt am Main Westend [2018]

Fröhliche Wissenschaft

8. Februar 2019 von Wolfgang Köhle

Viele, die das Sagen haben, haben nichts zu sagen.
Viele reden viel, weil sie nichts zu sagen haben.
Alle sind wir froh über jene, die nichts zu sagen haben und schweigen, und froh über diejenigen, die etwas zu sagen haben und schreiben. So wie z.B. Jean François Billeter, der in seinen Skizzen zur Wideraufnahme und Vertiefung der Aufklärung schreibt: 
„Ich unterscheide zwischen Sagen und  Reden. Mit Reden meine ich nicht das Reden zu anderen oder mit anderen, sondern das Reden, das nichts besagt oder vergeblich versucht, etwas auszusagen, oder im Gegenteil dazu dient, das Sagen der Sache zu umgehen oder es bei anderen zu verhindern. In meiner Arbeit begegne ich täglich der Versuchung des bloßen Redens. Ich erliege ihr zunächst fast bei jedem Schritt. Ich setze die Sprache in Gang, damit sie für mich denkt und spricht und bemerke aber bald, dass mich das in die Irre leitet und ich mir das Denken nicht ersparen kann.”

Erschienen in der Serie Fröhliche Wissenschaft.

Berlin Matthes & Seitz Berlin 2018

Berlin Matthes & Seitz Berlin 2018

Book’n’Grill

31. Januar 2019 von Wolfgang Köhle

„Wenn du ein Buch wirklich liebst, wird es dir alle Wärme spenden, die in ihm wohnt. Und ich liebe die russische Klassik, auch wenn ich noch keinen einzigen Roman weiter als bis zur Hälfte gelesen habe. Und es wird mir nie und nimmer einfallen, ein gutes Steak über einem zweitrangigen Autor – sagen wir Gorki – zu grillen. Die ganze Klassik kennen wir in- und auswendig. Ein Koch muss die Romanhandlung und Biographie des Autors kennen, selbst wenn er ein Analphabet ist, was unter uns leider immer häufiger vorkommt.”

2037, die Gutenbergepoche ist endgültig vorbei. Bücher werden nicht mehr gelesen, geschweige denn gedruckt. Nur Geld wird noch gedruckt. Aber Geld brennt nur sehr schlecht und taugt nicht zum Grillen. Das ist die Geburtsstunde für Book’n’Grill. Bibliophile Klassiker-Ausgaben dienen Drei-Sterne-Mietköche als Grillmaterial für belesene Slow Food Gelage für Reiche. Immerhin kommen dekadente Angeber in Blattgold-Steak-Luxusküchen nicht auf derartig biblioverse Ideen.

Manaraga, Tagebuch eines Meisterkochs von Wladimir Sorokin, Verfasser grotesker Meisterwerke.

Auszug aus dem Tagebuch eines Lehrlings

28. Januar 2019 von Kim Rauch

Liebes Tagebuch,

Moment, nein. Nochmal von vorne.

Liebe Selbstpräsentation,

(die ich machen muss um das Häkchen in meinem Lehrlingspass setzen zu können)

heute war ein sehr erfolgreicher Tag. 
Hier hast du eine kurze Checkliste, damit du siehst, was ich heute alles geschafft habe:

Bücher fallen gelassen: Check
Gegen irgendwelche Objekte gerannt: Check
Hingefallen: noch nicht, aber der Tag ist noch lang! 
 

Wie auch immer. So wie jeden Tag war ich heute wieder um 07:00 Uhr im Büro. MORGENS. Schrecklich, oder? Ich weiß, ich bin ein armer Lehrling. Vielleicht sollte ich aber erwähnen, dass ich nicht so früh arbeiten müsste. Wir haben Gleitzeit. ABER: Ich habe keine Lust, um 07:00 Uhr ABENDS noch im Büro zu sitzen. 
Nicht die geringste.

Ich habe also um diese Uhrzeit abgestaubt, Bücher eingeräumt, Kaffee geholt und den Boden gekehrt. Das ist alles wahr!

Na gut, es war nicht ganz so, aber fast! Ich habe katalogisiert, mein Kurrent geübt und mit meiner Lehrlingsausbilderin den Lehrlingspass ausgefüllt. Da kamen wir darauf, dass ich einen Blogeintrag verfassen könnte, um mein Leid den gesamten Besuchern unserer Homepage zu klagen.

Heute ist jedoch noch etwas Erwähnenswertes passiert: 
Wie es so Standard ist in einer Bibliothek, sollten wir Zuwachs durch einen motivierten Benutzer bekommen. Offensichtlich ist er wissenschaftlich sehr interessiert. 
Behaupte ich zumindest.
Da jedoch kam die fiese Benutzungsordnung herangestürmt und verbot ihm den Eintritt und somit das Stillen seines Wissensdursts.
Der arme Hund!
Das Herrchen wurde kontaktiert und wie immer musste der arme Lehrling mit den Worten „Du hast von uns allen am meisten Hundeerfahrung!” herhalten.
Es war grausam! Wie konnte man mich alleine mit so einem kleinen, süßen, flauschigen Etwas lassen?

Tja, nicht allzu lange später mussten wir uns auch schon trennen, es war ein dramatischer Abschied, es flossen Tränen und es wurde viel umarmt. Mit den Worten „Sitz” und „Bleib” verließ ich mein Büro und machte mich mit meiner Arbeitskollegin / Mitbewohnerin auf den Weg, diese heiligen Hallen des Wissens hinter mir zu lassen und in das Paradies namens Bett zu wandern. 

Nun, Selbstpräsentation, was meinst du? Habe ich das gut gemacht? Wir werden ja sehen, aber immerhin kann ich jetzt sagen: Lass uns das Häkchen setzen!

Ottonormaltod

21. Januar 2019 von Wolfgang Köhle

„Möglich, dass dich in deinen letzten Tagen Unruhe übermannt. Vielleicht zupfst du am Betttuch, vielleicht zeigen deine Finger in ziellose Ferne. Einige Sterbende entledigen sich ihrer Kleider. Andere wollen auf und los. Viele decken sich ab, als wollten sie etwas abwerfen. Eine Geste ist häufig. Du tastest. Du fasst. Du langst ins Nichts. Manche Sterbende – darunter oft jene, die bis jetzt nicht wahrhaben wollen, dass sie im Sterben liegen – beginnen in Bildern zu reden. Eine verlangt nach ihren Wanderstiefeln. Einer fürchtet, seinen Zug zu verpassen. Andere wollen Koffer packen, bestellen mit letzter Kraft Kataloge für eine Weltreise.”

Das Gesetz der Endlichkeit gilt für alle, trotzdem leben wir nach dem Gesetz der Unendlichkeit. Die unbeschreibbare letzte Reise vom Ottonormalsterbenden zum Ottonormaltoten beschreibt So sterben wir. Unser Ende und was wir darüber wissen sollten.

Lawinenkatastrophe 1954 - Enorme Solidarität für das Große Walsertal

11. Januar 2019 von Harald Eberle

Nach einem ungewöhnlich warmen Dezember fielen am 10. und 11. Jänner 1954 in Vorarlberg binnen 24 Stunden bis zu zwei Meter Pulverschnee. Insgesamt 388 Lawinen hinterließen im ganzen Land eine Spur der Verwüstung. Die verheerendste Zerstörung traf die Gemeinde Blons, wo die Falvkopf- und die Mont-Calv-Lawine fast ungehindert auf das Dorf herabdonnerten, 57 Menschen töteten und rund ein Drittel der Gebäude zerstörten. Da die Kommunikation nach außen unterbrochen wurde, dauerte es Tage bis die Hilfe eintraf: B-Gendarmerie, Feuerwehren und hunderte Freiwillige aus dem In- und Ausland bahnten sich den Weg ins tief verschneite Walsertal.
 

Trotz der anhaltend hohen Lawinengefahr drangen die ersten Helfer zu Fuß nach Blons vor. Foto: Sammlung Walter Gnaiger, Vorarlberger Landesbibliothek

Trotz der anhaltend hohen Lawinengefahr drangen die ersten Helfer zu Fuß nach Blons vor. Foto: Sammlung Walter Gnaiger, Vorarlberger Landesbibliothek

Momente der Entewigung

10. Januar 2019 von Wolfgang Köhle

„Motivation ist eine knappe Ressource, daher bringt es Gewinn, wenn man, wo Motive fehlen, auf Gewohnheiten zurückgreifen kann. Das Schreiben von Notizen, hat man es jahrelang praktiziert, wird zu einem Habitus, der sein Warum absorbiert. Man tut es, weil man es getan hat. Fragt man, aus welchem Grund ein Verfasser seine Aufzeichnungen später wieder zur Hand nimmt, meldet sich das Motiv-Problem in akuter Form zurück. Das Schreiben mag zur Gewohnheitssache werden, das Verhältnis zum Geschriebenhaben bleibt problematisch.”

Das Festhalten hat bei Buddhisten und Psychotherapeuten keinen guten Ruf. Eine Affinität zu Augenblicksgöttern hat Peter Sloterdijk, linker, rechter, elitärer, sozialdemokratischer Liberaler mit originellen Ideen.

Neue Zeilen und Tage Notizen 2011 – 2013

Berlin Suhrkamp Verlag 2018

Berlin Suhrkamp Verlag 2018

Frohlocket und lobpreiset!

19. Dezember 2018 von Wolfgang Köhle

 

Frohlocket und lobpreiset!

 

 

Wir, das Team der Vorarlberger Landesbibliothek, wünschen allen Lesenden ein frohes Fest und ein richtig gutes, gesundes, friedliches und frohsinniges neues Jahr. Prosit!

 

Rüssel, Herz, Hirn und Hoden

12. Dezember 2018 von Wolfgang Köhle

 

Frisches Hirn mit Ei, Schweinsohrenterrine, gesottener Rüssel, frische Blunzen, saure Nieren, gebackener Lungenstrudel, Magensuppe, schlachtwarm geröstete Leber, kurz gebratenes Hirn, stundenlang gesottener Schweinsschädel: es gibt keine schlechten Teile vom Tier, nur unpassende Zubereitung.

 

„Vor nicht allzu langer Zeit, also früher, zu den guten Zeiten, war nicht nur Gemüse, sondern auch Fleisch saisonal. Das Schwein war für den Menschen eine Art lebende Vorratskammer, gemästet mit Küchenabfällen und Überschüssigem. Im Herbst wurde das Schwein geschlachtet, zerlegt, verwurstet und eingesalzen. Die Innereien, das Blut, das Fleisch wurden am Schlachttag frisch gegessen und verarbeitet. Ein Freudentag, mit Wein, Musik und Tanz gefeiert, ein Sautanz.“

 

Bei der Hausschlachtung: Es dampft, blubbert und brutzelt, das Bier gezapft, der Wein geöffnet, das aufgehängte Schwein wird immer kleiner, das Mahl üppiger: Rezepte aus einer Zeit, als Fleisch noch etwas Besonderes war. Sautanz

Make POESIE great again

6. Dezember 2018 von Wolfgang Köhle

Es tanzen die Blätter im Wind,
wissen nicht, dass sie am Fallen sind.

Jeder Mensch hat lyrische Gefühle, ob er will oder nicht. Abgesehen von Aphorismen lassen sich poetische Gefühle nicht kürzer ausdrücken als in Gedichten, den zauberspruchartigen Gefäßen, die in weniger viel mehr enthalten. 

Ich möchte sein wie ein Wunsch,
auf der Schwelle möchte ich stehen,
ein Tag sein vor seinem Anbruch,
noch nicht gewesen sein möchte ich.

Spätdienst : Bekenntnis und Stimmung  von Martin Walser

Reinbek bei Hamburg Rowohlt 2018

Reinbek bei Hamburg Rowohlt 2018

Technomania

28. November 2018 von Wolfgang Köhle

„Fleisch aus 3D-Druckern, Roboter so klein wie Viren, künstlich hergestelltes Leben – bislang formte der Mensch die Natur nach seinem Willen. Doch die modernen Technologien können den Spieß auch umdrehen: Sie formen den Menschen. Algorithmen, die über Leben und Tod entscheiden, Eingriffe in die Genetik und künstliche Intelligenz definieren menschliches Leben neu. Unser Alltag, unsere menschliche Existenz ändern sich radikal.”

Neuro-Enhancement, Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, Quantentechnologie, synthetisches Leben -  Zauberlehrlinge sind am Werk. Was im Ohr des Optimisten nach Zukunftsmusik klingt, wird im Gehörgang des Pessimisten zur Dystopie einer posthumanen Welt, ethisches Burnout inklusive.

Unsere Zukunft zwischen Himmel und Hölle: Supermacht Wissenschaft

Gütersloh Gütersloher Verlagshaus [2017]

Gütersloh Gütersloher Verlagshaus [2017]

Die Dummen sind immer die anderen

21. November 2018 von Wolfgang Köhle

Der Dumme macht immer dieselben Fehler, der weniger Dumme macht immer neue Fehler, der am wenigsten Dumme lässt die Fehler andere machen. Dabei ist nur klug, wer weiß, wie dumm er ist. Gibt es was Klügeres, als die eigene Dummheit durch Erfahrung in Weisheit zu verwandeln?

„Wenn Dummheit kognitive Verweigerung ist, dann dürfte Nicht-Dummheit so viel wie Erkenntnisbereitschaft sein. Es wäre dies, was bislang als offener Horizont oder als Weltoffenheit bezeichnet wurde. Weltoffenheit bedeutetet zunächst alles, was wir als Gegenteil von geistiger Verschlossenheit erleben können: die Bereitschaft, die Welt als Widerspruch zu erleben und sich auch mit solchen ihrer Signale ohne Abwehrhaltung auseinanderzusetzen, die den eigenen Standpunkt nicht unterstützen oder ihn gar in Frage stellen; die Bereitschaft, Selbstbild und Realitätsbild zu korrigieren oder miteinander in Einklang zu bringen …“

Dummheit : Eine Erfolgsgeschichte

Stuttgart J.B.Metzler Verlag [2017]

Stuttgart J.B.Metzler Verlag [2017]

Otto-Normalleserei

16. November 2018 von Wolfgang Köhle

„Ziel ist zu zeigen, dass die Lektüre von literarischen Werken selbst bereits mehr als die Anwendung erlernter Lesetechnik ist: Sie ist eine kleine Kunst, eine Meisterung des Umgangs mit sich selbst. Diese Kunst macht nicht nur Freude in ihrer Ausübung, sie hilft auch, das Leben in der heutigen Welt zu meistern. Sie zu erläutern heißt also zugleich eine Gegenwartsdiagnose wagen, was aber kaum eine Überraschung ist: Der Sinn von Literatur ergibt sich immer aus einem geschichtlichen Kontext, und darum gehört es zur Aufgabe, erst einmal den heutigen zu bestimmen.”

Wo genau liegt der Unterschied zwischen literaturnaher Unterhaltung und Literatur im eigentlichen Sinn, was kann Literatur heute leisten und wie lässt sich das Potential der Literatur näher bestimmen? 
Die Spaltung zwischen Freizeitleser und professionellem Literaturliebhaber, zwischen Laien und Berufsleser literaturpsychologisch zu überbrücken versucht Niklas Bender in Verpasste und erfasste Möglichkeiten.

Basel Schwabe Verlag [2018]

Basel Schwabe Verlag [2018]

Pfui Teufel

7. November 2018 von Wolfgang Köhle

Ob Gott den Menschen schuf oder umgekehrt, ist schwierig zu beweisen, weil es schwer ist, etwas wegzubeweisen, das es gar nicht gibt. Ähnlich sieht es aus mit der Beziehung von Mensch und Teufel. Als Leser von Nietzsche weiß man, dass Gott widerlegt ist, der Teufel aber nicht – bis zum Erscheinen von Homo homini Satanas, eine philosophisch-anthropologische Auseinandersetzung mit dem Teufel. Wo verteufelt wird, kann auch entteufelt werden.

„Der Mensch kann nicht vollkommen frei von Anthropomorphismen durch das Leben schreiten. Praktisch alles, womit sich der Mensch beschäftigt, wird mehr oder weniger stark anthropomorphisiert. Der Teufel bildet da keine Ausnahme. Auch bei ihm gilt: Die Anthropomorphisierung des Nicht-Anthropomorphen ist für den Menschen unabwendbar.”

Baden-Baden Tectum Verlag [2018]

Baden-Baden Tectum Verlag [2018]

Der Duft der Königin

02. November 2018 von Wolfgang Köhle

 

Die Freude beim Öffnen eines Bienenstocks lässt sich nicht beschreiben. Der Wohlgeruch, das Gesumme des Biens, die Masse an Bienen – ein großartiges Wunder. Einer der kritischsten Momente beim Imkerhandwerk ist die Umweiselung. Wird das Volk vor dem Schwarmtrieb nach Herausnahme der alten, schwachen Königin die neue, junge, lebensfrohe, an Pheromonen reiche Königin akzeptieren? Jedes Bienenvolk ist ein Musterbeispiel für eine Gemeinschaft, in der ALLE zusammen Erfolg haben, weil sie zugunsten gemeinsamer Ziele gemeinsam arbeiten.

 

„Die Königin ist von einem sogenannten Hofstaat aus sechs bis zehn Bienen umgeben, die sie pflegen und ihr überallhin folgen. Andere Bienen kommen hinzu, berühren die Königin mit ihren Antennen und verteilen den königlichen Duft auf ihren Vorderbeinen, laufen 15-30 Minuten lang quer durch das Nest und sorgen auf diese Weise für eine Verbreitung des Königinnenpheromons im ganzen Volk.“

 

Das Genie der Honigbienen

 Stuttgart Ulmer [2018]

Stuttgart Ulmer [2018]

Das Leben, das Universum und der ganze Rest

24. Oktober 2018 von Mirella Sprenger

420000295748 ... das ist der VLB-Strichcode des hier empfohlenen Kassikers der Science-Fiction-Literatur. Wer sich schon mal gefragt hat, weshalb die 42 bei dieser Nummer vorangestellt ist, lese Douglas Adams' Per Anhalter durch die Galaxis.
42 ist die Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest”, welche der Computer „Deep Thought” nach einer Rechenzeit von 7,5 Millionen Jahren präsentiert. Weiters erfahren wir in dem Roman, dass der Planet Erde in Wahrheit ein Supercomputer ist bzw. war - er wurde 5 Minuten vor Ablauf seines Zehn-Millionen-Jahre-Programms im Rahmen eines Verkehrsprojekts gesprengt. Die Erde sollte die genaue! Frage zur Antwort 42, „nach dem Leben, dem Universum und allem”, finden…
„Per Anhalter durch die Galaxis” ist schräg, skurril, spaßig, kurzweilig ... ist Kult. Dabei ist der Titel sowohl der Titel des ersten Buches als auch der gesamten 5-teiligen Romanreihe, von der wir den ersten sowie den „fünften Band der vierbändigen Trilogie” im Bestand haben.

Auf Wikipedia ist übrigens folgendes Zitat von Douglas Adams zu lesen: „The idea for the title first cropped up, while I was lying drunk in a field in Innsbruck, Austria, in 1971. Not particularly drunk, just the sort of drunk you get when you have a couple of stiff Gössers after not having eaten for two days straight.”

Und noch ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl an unsere Erwerbungsabteilung: Wäre schön, wenn die gesamte Trilogie (also alle 5 Bände) im Regal stehen würde ;-)

Rogner und Bernhard

Rogner und Bernhard

Bauchgefühle

17. Oktober 2018 von Wolfgang Köhle

„Für jedes komplexe Problem gibt es eine einfache Lösung, und die ist die falsche.” So beschreibt Umberto Eco das Wesen des Populismus in Das Foucaultsche Pendel. In Politik der Emotion wird die Behauptung einfacher Zusammenhänge, für die dann eine noch einfachere Lösung präsentiert wird, nicht emotional sondern nüchtern betrachtet.

„Wie kommt diese bedingungslose Übereinstimmung zwischen dem Typus des populistischen Heilsbringers und seiner Fangemeinde zustande? Warum hält sie – auch bei bewiesener Diskrepanz zwischen Realität und Behauptung – so beharrlich an? Die Antwort scheint klar zu sein: Solange die emotionale Basis stimmt, der Politiker/die Politikerin den Gefühlen des anvisierten Publikums Stimme und Raum gibt, tritt die Frage nach den realen Auswirkungen der Politik in den Hintergrund. Ist das Bindungshormon einmal ausgeschüttet, tröstet das Sicherheitsgefühl, das es bietet, über so einige Alltagskamalitäten hinweg. Was erfolgreich macht, ist der unmittelbare Zugriff auf den Gefühlshaushalt, ein Kernaspekt populistischer Politik.”

Aus der besonders wertvollen Reihe Unruhe bewahren.

SalzburgWien Residenz Verlag [2018]

SalzburgWien Residenz Verlag [2018]

Unruhe stiften

11. Oktober 2018 von Wolfgang Köhle

Ökosystematisch betrachtet verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine. Also soll nicht mehr der Mensch im Zentrum des Denkens stehen, sondern das Leben aller Artgenossinnen, biologischen Verwandtschaften und Kreaturen.

„Es ist unsere Aufgabe, Unruhe zu stiften, zu wirkungsvollen Reaktionen auf zerstörerische Ereignisse aufzurütteln, aber auch die aufgewühlten Gewässer zu beruhigen, ruhige Orte wieder aufzubauen. In dringlichen Zeiten ist es für viele verlockend, der Unruhe zu begegnen, indem sie eine imaginierte Zukunft in Sicherheit bringen. Dafür versuchen sie, am Zukunftshorizont Drohendes zu verhindern, aber auch Gegenwart und Vergangenheit beiseitezuräumen, um so für kommende Generationen Zukunft zu ermöglichen. Unruhig zu bleiben erfordert aber gerade nicht eine Beziehung zu jenen Zeiten, die wir Zukunft nennen. Vielmehr erfordert es zu lernen, wirklich gegenwärtig zu sein.”

Unruhig bleiben : die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän

FrankfurtNew York Campus Verlag [2018]

FrankfurtNew York Campus Verlag [2018]

Dringlich Geschriebenes

3. Oktober 2018 von Wolfgang Köhle

Wie man ein wirklich gutes Gedicht, eine wirklich gute Erzählung, einen tatsächlich ergreifenden Roman, einen existenziellen Text erkennt, kann man in den Frankfurter Poetikvorlesungen lernen.

„Womöglich bin ich hier falsch. Ob ich hier doch richtig war, das entscheiden letzten Endes Sie. Warum fühle ich mich fehl am Platze in einer Universität, noch dazu einer, die einen so großen Namen trägt und so viel auf Tradition hält wie diese? 
Erstens: Ich habe nicht einmal Abitur.
Zweitens: Eine Stunde nicht rauchen.
Drittens: Ich bin keine Rednerin, sondern eine Schreiberin.
Viertens: Ich kann nicht frei sprechen. Aber wer kann das heute schon noch? Um frei sprechen zu können, müssten sich Frau und Mann erst einmal frei fühlen.
Zwischenfrage: Und Sie, Sie alle, meinen Sie, dass Sie hier richtig sind? Fühlen Sie sich frei?
Egal, Sie sind hergekommen, ich auch. Also versuchen wir es.”

Katja Lange-Müller berichtet aus ihrer schriftstellerischen Werkstatt in Das Problem als Katalysator.

Köln Kiepenheuer & Witsch 2018

Köln Kiepenheuer & Witsch 2018

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